Zeit für den Wechsel

Energiewende bedeutet nicht einfach nur smarte Energie

Energie wird smart. Smart Homes, Smart Mobility, Smart Energy. Doch die längst eingeläutete Energiewende bedeutet nicht einfach nur eine Umstellung auf smarte Produkte. Um überhaupt smarte Produkte anbieten zu können, die den Kunden und seine Ansprüche verstehen, muss auch die Branche smart denken, smart werden. Sie muss sich am Kunden orientieren, nach seinem Leben. Die bisherigen Wege reichen dafür nicht aus. Neue Lösungen – vom digitalen Wertangebot bis hin zum aktualisierten Geschäftsmodell – sind gefragt. Lösungen, die von Start-ups kommen, weil sie flexibler sind, das digitale Know-how bereits mit der Muttermilch aufgenommen haben, viel konkretere Lösungen für Probleme haben und mit ihren Angeboten nicht nur auf das Jetzt, sondern in die Zukunft blicken. Start-ups bringen eine neue Dynamik in die Energiebranche, die sie so dringend benötigt.

Start-ups aus der Digitalisierung treffen sich mit dem Netzwerk Energiewirtschaft

Um die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Unternehmen der Energiewirtschaft anzukurbeln, lud die EnergieAgentur.NRW uns und weitere ausgewählte Start-ups zu ihrer Jahrestagung des Netzwerks Energiewirtschaft – Smart Energy in das View im Dortmunder U. Rund 200 Vertreter aus der Energiewirtschaft fanden sich im View ein, um mit uns Start-ups über aktuelle Herausforderungen und echte Chancen der Zusammenarbeit zu diskutieren. Denn was den EVUs bisher noch fehlt, sind sinnvolle Kooperationen mit agilen, technisch und gedanklich flexiblen Start-ups, die das notwendige IT-Know-how mitbringen und die Anforderungen in schlanken Lösungen umsetzen können. Die bisherige Unschlüssigkeit der Branche verwundert, denn neben dem gesetzlich festgelegten, kostenintensiven Rollout sitzen ihr auch neue Marktakteure im Nacken: die Prosumer (ein Kunstwort aus Produzent und Consumer, also Verbraucher). Das setzt die Erzeuger ganz schön unter Druck: Auf der einen Seite stehen die riesigen Vorgaben der Energiewende (alleine die technischen Voraussetzungen des Smart Meterings und den damit einhergehenden angestrebten Messdatenmengen), auf der anderen Seite immer mehr Privatunternehmer, die als Selbstversorger agieren und überschüssigen Strom aus eigener Erzeugung in das allgemeine Netz einspeisen können.

Ein fiktives Szenario, das so fiktiv nicht ist: Strom für umme.

Um die Gedanken aus den Vorträgen am Vormittag aktiv aufzunehmen, folgten am Nachmittag Workshops. Wir waren als Facilitators für einen kurzen Design-Thinking-Workshop dabei. Die Aufgabe an die Teilnehmer: Stellt euch vor, ein großer internationaler Konzern bietet Strom für umsonst an. Wie reagiert ihr darauf? Wie sähe euer Geschäftsmodell dazu aus? Mit leichten Übungen aus dem Design-Thinking-Koffer wie “Yes, and … ” und dem “shitty first draft” stiegen wir mit der Moderatorin Inga Land in die Moderation ein. Ziel der Übungen war es, außerhalb der gewohnten Muster zu denken und neue Ansätze zu entwickeln, die den Kunden in den Mittelpunkt stellen. Während der Ideenfindung zeigte sich, wie oft gerade am Anfang in altbekannten Mustern gedacht wird. Mit gezielten Impulsen der Moderatoren konnte das implizite Wissen aktiviert werden und die Teilnehmer trauten sich Schritt für Schritt, auch mal ungewohnte Ideen im Business Model Canvas aufzunehmen.

Wir haben von unserer Seite immer wieder Fragen eingeworfen: Aber was will denn der Kunde? Wer ist eigentlich jetzt Ihr Kunde? Was hat Ihr Kunde für Berührungspunkte mit Ihnen? Warum ist eine App wichtig? Was soll die App alles können?  Was mir jetzt wichtig ist, spielt vielleicht in 5 Jahren keine Rolle mehr. Wie kann ich als EVU auf solche Änderungen reagieren? Gerade in diesem Austausch zeigte sich, wie sinnvoll es für die Teilnehmer war, nicht bei den einfachen Antworten stehenzubleiben, sondern das bisherige Modell zu hinterfragen und auch aus der eigenen Lebenserfahrung heraus zu argumentieren. Es war aber auch notwendig, die richtigen Fragen zu stellen und so zu einem Thinking outside the box zu animieren.

Übereinstimmung in den Ergebnissen: Lokale Angebote stärken

Bei den Ergebnissen der Workshop-Gruppen zeichnete sich eine Übereinstimmung ab: Gegen globale Konkurrenten mit Billigpreisen hilft der Auf- und Ausbau lokaler Netze, mit persönlichem Bezug zu den EVUs, Stadtwerken und privaten Versorgern, kooperativ und mit einem Service-Angebot, dass flexibel auf die Lebenssituationen der Kunden reagiert. Der Fokus ginge somit weg von den Stadtwerken als klassische Erzeuger hin zu einer dynamischeren Beratungs- und Servicestruktur.

Fazit

Die Veranstaltung hat für uns noch einmal deutlich gemacht, dass ein moderierter Workshop bessere, relevantere Ergebnisse für ein neues Geschäftsmodell liefert als ein einfacher Austausch in Gruppen. Die Energiebranche zeigt sich aus unserer Sicht fast schon hilflos gegenüber den Anforderungen, vor allem die kleineren Stadtwerke haben immense Schwierigkeiten, neben dem Alltagsgeschäft auch noch den Rollout zu organisieren und finanzieren. Um das Ganze kosten- und nutzeneffizient anzugehen, wäre ein Interaction Room for Digitalisiation durchaus sinnvoll. Denn wenn ich in den moderierten Workshops erst einmal geklärt habe, was tatsächlich notwendig ist umzusetzen, was die Kunden eigentlich wollen und an welchen Stellen ich auch als Stadtwerk neue digitale Angebote in mein Geschäftsmodell aufnehmen kann, dann ist ein erster – gezielter – Schritt in Richtung Digitalisierung der Energiewende getan.

Über die EnergieAgentur.NRW

Die EnergieAgentur.NRW ist Dienstleister des Landes Nordrhein-Westfalen in allen Energiefragen. Sie  arbeitet im Auftrag der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen als operative Plattform mit breiter Kompetenz im Energiebereich. Energieeffizienz und Klimaschutz stehen dabei im Mittelpunkt vieler Aktivitäten.Im Auftrag des NRW-Umwelt- und Klimaschutz­ministeriums managt die EnergieAgentur.NRW das Cluster EnergieRegion.NRW und verantwortet in insgesamt 27 Einzelaufträgen leistungsstarke Netzwerke für den Klimaschutz. Die EnergieAgentur.NRW ist mit rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor allem an den Standorten Düsseldorf, Gelsenkirchen und Wuppertal aktiv und wird unter anderem finanziert aus Mitteln der Europäischen Union EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung). (Quelle: EnergieAgentur.NRW, Stand 03.07.2017)

Bilder der Veranstaltung sowie ein kurzer Bericht finden sich hier.